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Borderline - na und? Das Leben ist trotzdem schön!

Dieses Thema im Forum "Ich habe es geschafft! Meine Erfolgsgeschichte" wurde erstellt von Engelchen08, 24 Februar 2013.

  1. Engelchen08

    Engelchen08 Member

    Registriert seit:
    5 Februar 2012
    Beiträge:
    40
    Zustimmungen:
    1
    Ort:
    Niedersachsen
    Hallo ihr,

    ich versuche mich so kurz wie möglich zu fassen, da ich wirklich lange dafür ausholen muss.

    Alles fing an, als ich von der 7. bis zur 9. Klasse mit meiner Schwester gemeinsam in einer KLasse war. Es gab ständig einen Konkurrenzkampf zwischen uns beiden, der so weit ging, dass wir uns in der 9. zerstritten haben und sogar die Klassengemeinschaft entzwei gerissen habe. (Das kommt eben dabei heraus, wenn sich zwei starke Persönlichkeiten streiten... wir haben beide sehr stark polarisiert - ich tue das bis heute. Entweder hassen mich die Menschen oder sie lieben mich...)
    Jedenfalls ist am Höhepunkt des Streits meine Schwester von zu Hause abgehauen und in eine Pflegefamilie bekommen. Damit fing bewusst alles an.
    Zu Hause gab es natürlich viel Stress wegen der Situation und ich fühlte mich mit meinen Problemen alleine gelassen. Ich fing an, wie eine Verrückte zu lernen, um mich abzulenken, schrieb meine Geschichten und trieb Sport. Soweit es möglich war, verließ ich für den ganzen Tag das Haus, um irgendwo in der Gegend herum zu skaten.
    Als ich mich dann auch noch mit meinem Bruder stritt, und er mir sagte "Verzieh dich doch in deine Lügen- und Geschichtenwelt", war es endgültig vorbei. Ich war überall die Böse, überall die Schlechte, und für alles verantwortlich. Ich glaubem hiermit fing alles an.

    Ich habe mich zurück gezogen in meine eigene Welt... bis ich nicht mehr zurück kam. Stundenlang saß ich in meinem Zimmer, habe gegrübelt und gegrübelt... bis ich dissoziierte. Das sind so Zustände, wo die Psyche so überfordert ist, dass der Geist den Körper verlässt. Unglaublich ist das. Ich saß an meinem Schreibtisch, konnte mich aber selbst beim Schreiben beobachten.
    In dieser Zeit sind auch fast alle Erinnerungen aus der Perspektive einer dritten Person - ich kann mich selbst sehen, wie ich mit Lehrern rede, wie Leute versuchen, mich zu trösten usw...
    ich habe unbewusst angefangen mich selbst zu verletzen. Zeitweise dachten meine Eltern, ich hätte ein Drogenproblem, da ich ständig Nasenbluten hatte, was immer schlimmer wurde [...]
    "nervte", kapselte ich mich ab.
    Meine Hoffnung war ein Umzug in eine neue Stadt. Ich dachte, hier würde alles besser laufen, meine Schwetser und ich mussten wieder auf eine Schule, da es dort nur ein einziges Gymnasium gab. Aber wir verstanden uns auf unsere eigene Weise. Unser Verhältnis war distanziert, ich alleine und das war "okay" für mich.
    Doch als ich aufs Übelste gemobbt wurde und bei ihr Hilfe suchte, schaute sie weg. Sie hatte Angst, da mit hineingezogen zu werden und ließ mich alleine stehen. Ich hielt durch, wollte doch unbedingt dieses blöde Abitur haben und Ärztin oder Anwältin werden.Ich hatte damals auch einen Freund, meine erste Beziehung, und er schien mir zu helfen. Als er mich dan aber auch anfing, zu irgendwelchen Dingen zu drängen und ich mich durch Zufall verletzt hatte, begann ich, mich zu schneiden. Es kam selten vor, aber es kam vor.
    Ich schrieb einen Brief, in dem ich mich einem Lehrer anvertrauen wollte - den fand meine Mutter beim Aufräumen. Wir redeten sehr lange, sie war für mich da. Aber ihre Ratschläge, ich sollte mich doch wehren, haben alles noch schlimmer gemacht, zuviel Angst hatte ich.

    Dann zogen wir wieder um, mittlerweile war ich 15 und in der 11. Klasse. Die Klasse war lieb, ich fand so etwas wie Freunde, konnte aber nicht vertrauen. Inzwischen war ein Jahr vergangen, ich hatte einen neuen Freund. Als dieser jedoch schluss machte und ich in meiner KLasse immer noch nicht recht anschluss hatte, wurde ich depressiv. Ich blieb 2 Wochen zu Hause und schlief nur noch. Meine Mutter machte sich solche Sorgen, dass sie mir ein Ultimatum stellte:

    Entweder zur Schule oder zum Arzt, da stimmt irgendwas nicht mit dir.

    Ich entschied mich für die Schule, ging wieder hin. Als wir eine Exkursion hatten, auch etwas weiter weg, war mein Plan ausgereift. Ich sagte meinem Lehrer, mir sei übel, ich möchte lieber mit dem Zug nach Hause fahren. Da ich auf ihn stabil wirkte, ließ er mich alleine fahren, worum ich richtig betteln musste. Ich stand am Bahnhof in H., einem Ort, der genau auf der Hauptverbindungsstrecke zwischen Hannover und Köln lag. Hier fuhren auch die Schnellzüge durch. Hier wollte ich mein Leben beenden. Stundenlang lief ich am Bahngleis auf und ab, mich sprach jemand an, und ich wimmelte diese Person ab, ich würde nur auf eine Freundin warten.
    Als ich gerade beschlossen hatte, es zu tun, und als ich springen wollte, klingelte mein Handy. Meine Kleine Schwester war am Telefon und fragte,, wo ich denn sei und ob ich nach Hause käme. Daraufhin kamen mir die Tränen, denn mir wurde klar: Wenn ich das jetzt tue, fahren meine Schwestern nie wieder mit dem Zug. Und die Kleinen waren mein ein und alles.
    Ich verschwieg den >Vorfall, sprach erst später mit Klassenkmeraden darüber. Ich war der Meinung, ich schaffe es ohne Therapie.
    Jedoch hatte ich starke Aggressionsprobleme und schlug wenn ich wütend war, immer auf Kanten. Bis ich riesige Blutergüsse an den Armen hatte. Eines Tages saß ich beim Arzt, hatte die blöden Arme schon vergessen, und sollte mich frei machen, weil ich etwas in der Art MAgen-Darm-Grippe hatte.
    Mein Arzt entdeckte die Verletzungen und dachte, ich werde zu Hause geschlagen. Kleinlaut brachte ich ihm bei, dass ich mir alles selbst zugefügt hatte. Ich sollte eine Therapie machen, mein Vater war jedoch dagegen. Und so hangelte ich mich von Jahr zu Jahr und heckte einen Plan aus.

    Mit 17 hatte ich dann einen Freund, mit dem ich vier JAhre zusammen war. Wir waren 8 Monate zusammen, als wir zusammen zogen und meine Eltern erlaubten es mir. Wir wollten heiraten, auch das erlaubten uns meine Eltern. Doch einen Tag vor der Hochzeit haben sich die Familien dermaßen zerstritten, dass wir alles absagten - zum Glück!
    Der Streit eskalierte so sehr, dass ich Suizidgedanken hatte. Ich schrieb einen Abschiedsbrief und verließ das Haus wie immer. Mein damaliger Freund musste lange arbeiten, er wäre sowieso zu spät gekommen. Und wieder einmal hielt mich meine Schwester davon ab, es zu tun. Weil ich an sie dachte. Dann ging ich zum Arzt und ließ mich einweisen. Ich verbrachte 3,5 Monate in der Jugendpsychiatrie und kam heraus mit der DIagnose "emotionale Störung", die sich wieder verwachsen würde, wenn sich meine Lebensumstände stabilisieren. Von wegen!

    Ich zog in eine therapeutische WG; das Abitur habe ich abgebrochen, weil ich mit 16 vergewaltigt worden war. Und ständig fühlte ich mich an das Ereignis erinnert. Ich fing wieder an mich zu ritzen, teilweise sogar im Unterricht (Berufsschule), der mich teilweise triggerte, bis mir die Schule dann ein Ultimatum stellte: Entweder ich gehe wieder in die Klinik oder ich darf nicht mehr zur Schule. (Mittlerweile waren die Verletzungen so schlimm, dass sie täglich passierten und genäht oder geklammert werden mussten).
    Ich ging in die Tagesklinik und die Therapie schlug gut an. Danach war ich 9 Monate verletzungsfrei. Ich fand auch eine Ausbildungsstelle und war glücklich - scheinbar.

    Denn wenig später, zog ich mit meinem Freund wieder zusammen und er begann, mich zu schlagen, wenn ich aggressiv wurde. Das ganze Versteckspiel ging von vorne los. Als mich dann meine große Schwester als "Pummelchen" bezeichnete und ich in der Schule Sprüche hörte wie "Ritz dich doch tot!", hat es mir gereicht. Da mein damaliger Freund auch nicht gerade nett zu mir war, hörte ich auf zu essen. Ich fühlte mich wieder gut, bekam Komplimente wegen meiner neuen Figur, und dass ich doch echt hübsch sei. Am Ende aß ich nur eine Banane am Tag.
    Ich brach auf Arbeit täglich fast zusammen, meine Kollegen sorgten sich um mich. Aber ich versicherte immer wieder, alles sei gut.
    Irgendwann erkannte ich, dass es nicht mehr weiter ging und ich ging wieder in die KLinik. Dort lernte ich einen scheinbar netten Mann kennen, der es mir angetan hatte.
    Die Beziehung war die Hölle. Er nutzte mich aus, war verheiratet und versprach mir, sich zu trennen, und irgendwann verlangte er beim Sex Dinge, die mir mehr als nur zu weit gingen. Ich packte meine Koffer, flüchtete zu meiner Tante nach Hannover und von dort aus ins Frauenhaus. Ich baute mir ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter auf und nahm mir zum ersten Mal eine eigene Wohnung.

    Doch irgendwie pendelte ich auf der Suche nach Anerkennung zwischen meiner Exaffäre und meinem Exfreund hin und her. Im Dezember, nachdem ich eine Kündigung auf Arbeit erhalten hatte, kam der nächste Suizidversuch. Mein heutiger bester Freund hatte mir das Leben gerettet und mich in der Klinik regelmäßig besucht.
    Von dort aus baute ich mir mein Leben neu auf. Ich beschäftigte mich zum ersten Mal mit dem Gedanken, ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu führen und gesund zu werden - meine Ziele waren normal zu essen und mich nicht mehr zu verletzen.

    Ein Jahr war ich dann arbeitslos. Ich ging freiwillig in eine Maßnahme, um soziale KOntakte zu knüpfen und nicht wieder depressiv zu werden. Dort lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Und mittlerweile habe ich mir die ersten meiner Träume erfüllt. Ich habe mir eine gesetzliche Betreuerin gesucht, die mir hilft, mein Leben zu planen und zu organisieren. Seit Dezember gehe ich auf die Abendschule und mache mein Abitur nach. Neuerdings habe ich auch wieder Arbeit. Und obwohl ich einen Freund habe, drehe ich mein eigenes Ding. Das heißt, Schule und Arbeit gehen vor, ich treffe mich regelmäßig mit meinen Freundinnen, gönne mir Zeiten nur für mich alleine - und er lässt mir meine Freiheiten. Da wir uns sehr ähnlich sind und er auch viel Zeit für sich braucht, profitieren wir gleich doppelt von der Zeit, die wir gemeinsam nutzen.

    Und mit meiner Familie verstehe ich mich auch.

    Obwohl mir sämtliche Psychologen, Behörden etc. erzählen wollten, ich sei nicht arbeitsfähig, ich müsse erst wieder eine Therapie machen, ich würde mein Leben nie alleine auf die Reihe bekommen, habe ich alle meine Kraft zusammen genommen, um mir mein Leben aufzubauen, wie ich es mir wünsche. Es hat zwar eine Zeit gedauert, aber mittlerweile steh ich trotz meines Borderlines und sichtbaren Narben mitten im leben. Ich trage trotzdem im Sommer kurz und stehe dazu, wenn mich jemand anspricht. Ich gehe offen mit meiner Krankheit um, und da ich seit über einem Jahr mich nicht mehr verletzt habe, kann ich das sogar auf der Arbeit tun. Ich werde als die Person gesehen, die ich bin und nicht mehr nur auf die Krankheit reduziert.

    Und alles was ich durchgemacht habe, hat mich gestärkt.

    Liebe Grüße
    das Engelchen

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